(translation: “extremely interesting”)
Performance, video, 2015
@ Dubuffets Liste, Sammlung Prinzhorn Heidelberg

Als ich 2012 nach Heidelberg gezogen war, entdeckte ich das Museum Sammlung Prinzhorn für Kunst von Menschen mit psychischen Ausnahme-Erfahrungen. Wie andere Künstler vor mir habe ich eine große Lust gespürt, mich selber auf die Sammlung zu äußern. Die partizipatorische Arbeit extrem interessant ist für mich nur eine unter vielen Möglichkeiten, auf so eine tolle Sammlung zu reagieren.

Ich habe Menschen unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen eingeladen, sich mit einigen Arbeiten aus der Sammlung auseinanderzusetzen, die von dem französischen Maler Jean Dubuffet kommentiert worden waren, als er die Sammlung 1950 besuchte. In seiner Liste bewertete er die gesehenen Werke – meist in knappen Worten (z. B. „extrêmement intéressant“, „pas bien“ oder sogar „mediocre“). Die Ausstellung Dubuffets Liste rekonstruierte möglichst umfassend Dubuffets Blick auf die Sammlung.

Mit nur einer Ausnahme haben sich die eingeladenen Gäste zu zweit die Arbeiten im Museum angeschaut; ich habe die jeweilige Situation mit der Videokamera festgehalten.

extrem interessant zeigt die Gespräche, die diese Personen führten. Jede von ihnen wählte eine Reproduktion eines Bildes aus, so dass immer zwei Bilder besprochen wurden. Die Reproduktionen sind für die Kamera nicht sichtbar. Das heißt, dokumentiert wurde nur die Rezeption.

Für die Gespräche wurden aus der Fülle der Exponate 15 in eine Vorauswahl genommen – eine konzentrierte Subgruppe der Ausstellung mit Werken, die Dubuffet definitiv gesehen und beurteilt hat. So könnte man seine Bewertungen neben heutige Reaktionen stellen.

In der Dialogsituation sind die Bilder unmittelbar für beide Dialogpartner präsent. Sie schildern ihre ganz persönlichen Eindrücke, beschäftigen sich relativ lange mit den Werken, sie tauchen miteinander in die Bilder ein, entdecken beim Sprechen weitere Details und bücken sich, um genauer zu schauen. Worte reichen oftmals nicht aus, Gesten werden zu Hilfe genommen.

Weil die Teilnehmer nur Kopien vor sich haben, können sie sogar die Bilder berühren und drehen, wovon sie tatsächlich häufig Gebrauch machen.

Die Dialogpartner beziehen sich dabei in entspannter Konzentration auf einen Gegenstand, der dem Betrachter des Videos entzogen bleibt. Dieser ist eingeladen, sich anhand der Beschreibung sein eigenes Bild zu machen und sich in (dem Katalog) der Ausstellung auf die Suche nach den beschriebenen Werken zu begeben. Dabei kann er sowohl Dubuffets Urteil wie seine eigene Einschätzung prüfen und reflektieren.

MEHR:

(Übersetzung: “tragbarer Dachboden”)
Performance & Installation, 2007-2009
@ Zamieszkanie / Sich Einrichten / Inhabiting, BWA Gallery Wrocław, Polen
@ Ohne uns! Kunst & alternative Kultur in Dresden vor und nach ’89, Ausstellung Prager Spitze, riesa efau. Kultur
Forum Dresden

Eins der überraschenden Nebenprodukte des Projekts public attic / ausgestellter speicher waren die großzügigen Geschenke, die ich von den Familien, deren Dachböden ich besucht hatte, erhalten habe, darunter ein wunderbares altes selbstgebautes Puppenhaus. Ich beschloss, das Puppenhaus in eine zweite Arbeit über Dachböden und deren Besitzer zu integrieren. Diesmal folgte ich einer völlig anderen Prozedur: Ich bat Menschen, mir die Sachen, die sie auf dem Dachboden aufbewahren, zu beschreiben und versuchte anhand dessen, diese Gegenstände in Miniatur nachzubauen, ohne die Besitzer und deren Dachböden je gesehen zu haben.

Die Arbeit nahm die Form einer Performance samt Installation-in-Arbeit über mehrere Tage an. Ich arbeitete im Ausstellungsraum selbst, brachte die Miniaturartefakte auf den Dachboden des Puppenhauses als sie fertig wurden.

Wie schon bei public attic / ausgestellter speicher bat ich die Teilnehmenden mir zu erzählen, warum sie die Sache(n) ausgelagert hatten. Um es zu vereinfachen, stellte ich eine Liste möglicher Gründe bereit, worin auch weitere Angaben gemacht werden könnten. Diese Dokumente wurden ebenfalls ausgestellt.

Diese Arbeit habe ich zweimal aufgeführt, zunächst in Wroclaw, Polen (als Teil der Ausstellung Zamieskanie / Sich Einrichten / Inhabiting), danach in Dresden bei Ohne uns! Kunst & alternative Kultur in Dresden vor und nach ’89.

MEHR über die beteiligte Institutionen:

(Übersetzung: “Der Bedeutsamkeitsinstinkt”)
IN ARBEIT                                                                                                                                                        
Performance

Das Tanztheaterstück, The Mattering Instinct (Arbeitstitel), bringt Tanz, Philosophie und Gesellschaftskritik zusammen in ein ungewöhnliches Format, das zum Teil von einem Wettbewerb inspiriert ist. Der „Dance Your PhD“-Wettbewerb („Tanz Deine Doktorarbeit“), den es seit mehr als zehn Jahren gibt, fordert junge Wissenschaftler heraus, ihre komplexen Forschungsprojekte einem Publikum vorzustellen und zu versuchen, diese möglichst unterhaltsam und kurzweilig darzustellen.

Diese Kombination aus Ernsthaftigkeit und spielerischer Leichtigkeit ist wichtig für das Stück, denn The Mattering Instinct bringt eine Theorie der US-amerikanischen Philosophin Rebecca Newberger Goldstein auf die Bühne. Das Stück entfaltet Goldsteins inspirierende „mattering theory“ sowohl sprachlich als auch tänzerisch und erprobt den Mehrwert dieser Kombination für die philosophische Argumentation einerseits, für den tänzerischen Ausdruck andererseits.

Goldstein glaubt, dass wir mit einem „mattering instinct“ versehen sind (etwa einem „Bedeutsamkeitsinstink“) und dass viele moralische Fragen bei besonderer Berücksichtigung dieses „mattering“ beantwortet werden können. Das schwer zu übersetzende Wort „mattering“ bündelt verschiedene Aspekte, die im Deutschen nicht in einem Wort prägnant zusammengefasst werden können: den Aspekt der Erfahrung von Selbstwirksamkeit mit jenem der Anerkennung durch andere sowie die Sinnzuschreibung an das eigene Handeln.

Die Performance strebt eine wechselseitige Erläuterung, Kommentierung und Vermittlung von Goldsteins philosophischen Argumenten an, konfrontiert aber die philosophischen Ideen mit der Eigengesetzlichkeit tänzerischer Semantik.

Sobald wir wissen, dass wir sind, wollen wir, dass das, was wir sind, etwas bedeutet, dass wir von Bedeutung sind, dass wir „Bedeutsamkeit“ besitzen. Diese „Bedeutsamkeit“ ist für Menschen wesentlich:

„Wir können kein Eigenleben führen, ohne zu glauben, dass unser Leben von Bedeutung ist … klinische Depression ist der Zustand, wenn man überzeugt ist, dass das eigene Leben nicht von Bedeutung ist und dass es nie von Bedeutung sein wird. Das ist eine pathologische Haltung und es hebt durch diese Pathologie die Funktion hervor, die der ‚Bedeutsamkeitsinstinkt‘ normalerweise hat. Denn um eine vollständig lebenstüchtige, nicht deprimierte Person zu sein, muss man leben und handeln als hätte man selbstverständlich ein Eigenleben zu führen, als ob man im eigenen Namen handeln darf, dass man seine eigenen Ziele verfolgen kann und darf. Und dass wir das Recht besitzen, in Übereinstimmung mit unserem Bekenntnis, dass wir von Bedeutung sind, dass wir Bedeutsamkeit besitzen.“ (Auszug aus dem Interview, The Mattering Instinct: A Conversation with Rebecca Newberger Goldstein der Edge Foundation, 2016, übersetzt von Janet Grau)

(Übersetzung: “Ich fliege davon”)
IN ARBEIT                                                                                                                                                        
Langzeitprojekt (Fotografie, Nadelarbeit)

Endlos viele Stunden in eine Arbeit stecken. Kreuzstichstickerei als aufwändige (und absurde) Bildreproduktionstechnik.

Der Arbeitsprozess ist komplex, vielschichtig und wahnsinnig zeitintensiv—darum geht es aber. Es geht um Zeit und es geht auch darum, einen Abstand zu den Fotos durch den Arbeitsprozess zu gewinnen. Es ist auch ein Spiel mit der Wahrnehmung. Ich experimentiere mit dem Detaillierungsgrad und der Farbtreue soweit, bis jemand, der das Originalfoto kennt, die gestickte Version sofort wiedererkennen kann, aber für andere bleibt sie unkonkret.

Ich wandele ausgewählte alte Familienfotos in vereinfachte Pixelstrukturen um, reduziere die Anzahl der Farben von Millionen bis auf eine beliebige Zahl (vielleicht 27 oder 56 oder 84), passe diese den Stickgarnfarben an, arbeite systematisch mit komplexen Vorlagen. Das alles steht in starkem Kontrast zum Inhalt der Bilder, welche immer nur einen einzelnen Moment – einen Bruchteil einer Sekunde –darstellen.

Für mich sind die Stickereien eher als Objekte denn als Bilder zu verstehen. Deshalb werden sie zusammen mit den Arbeitsskizzen, Farbmustertabellen, usw. sowie mit anderen Objekten in einer Installation präsentiert (Arbeitstitel I’ll Fly Away).

(Übersetzung: “Lernmachinen (Alles, was wir je denken werden, ist möglicherweise von Anfang an schon da)”)
IN ARBEIT                                                                                                                                                        
Performance / Video / Installation

Mit dieser Arbeit untersuche ich zwei Begriffe – „Wissen“ und „Fantasie“ – sowie die Art und Weise, wie sie miteinander verflochten sind. Dafür nehme ich philosophische Fragen sowie neue Erkenntnisse der Kognitionswissenschaft und Entwicklungspsychologie als Ausgangspunkt und experimentiere selber damit.

Zum Beispiel, was haben Fantasie und Spiel (Imaginieren einer alternativen Realität) mit Experimentieren (Überprüfung von Hypothesen) zu tun? Wie hängen Lernprozesse mit kultureller Überlieferung („cultural transmission“) zusammen? Aus neuester Forschung betrachtet, umfasst Spielen mehr als nur Vorstellungsvermögen – es ist ein kultureller Prozess, der tatsächlich Neues realisieren kann.

Dieses Projekt geht aus langjähriger partizipatorischer Arbeit mit Laien, die der Kunstszene nicht angehören, hervor (Performance, Körpersprache, Handlungen und Spiel). Für Learning Machines (Everything We’ll Ever Think Is Potentially There From The Start) erarbeite ich mit Kindern und Jugendlichen Inszenierungen für die Videokamera. Manche dieser Szenen zitieren bekannte Forschungsexperimente, andere gehen gezielt philosophischen Fragestellungen nach.

Die Videoclips werden in mobile Objekte (Skulpturen) eingebaut, und diese in einer Rauminstallation integriert, so dass komplexe Verflechtungen von Ideen, Theorie und Praxis räumlich und plastisch erfahrbar werden können.

„For human beings, the really important evolutionary advantage is our ability to create new worlds. Look around the room you’re sitting in. Every object in that room – the right angle table, the book, the paper, the computer screen, the ceramic cup – was once imaginary. Not a thing in the room existed in the Pleistocene. Every one of them started out as an imaginary fantasy in someone’s mind. And that’s even more true of people. All the things I am – a scientist, a philosopher, an atheist, a feminist – all those kinds of people started out as imaginary ideas too. I’m not making some relativist post-modern point here, [because] right now the computer and the cup and the scientist and the feminist are as real as anything can be. But that’s just what our human minds do best – take the imaginary and make it real. I think now that cognition is also a way we impose our minds on the world.

In fact, I think now that the two abilities – finding the truth about the world and creating new worlds – are two sides of the same coins. Theories, in science or childhood, don’t just tell us what’s true – they tell us what’s possible, and they tell us how to get to those possibilities from where we are now. When children learn and when they pretend, they use their knowledge of the world to create new possibilities. So do we, whether we are doing science or writing novels. I don’t think anymore that Science and Fiction are just both Good Things that complement each other. I think they are, quite literally, the same thing.“ – Alison Gopnik (Institute of Human Development, UC Berkeley)

Performance / Fotografie, 2016-2018
Ausstellungen:
‘Zwischenspiel’ @ Gedok-Galerie Heidelberg, 16. Sep – 21. Okt 2017
@ Heidelberger Kunstverein, 6. Mai – 8. Jul 2018

Im Projekt Wunschbilder arbeiteten Laien und Profis zusammen, um die teilnehmenden Geflüchteten zu ermutigen, ihren Hoffnungen und Wünschen Ausdruck zu verleihen. Ausgehend von ihren Fluchterlebnissen und der komplizierten Situation des Ankommens in Deutschland entstanden Bilder, die sowohl Erlebtes als auch Erwünschtes darstellen. Diese „Wunschbilder“ markieren einen möglichen Weg und erkennen die Fiktion als bedeutende Kulturtechnik an.

Regie für die Inszenierungen übernahmen Mohamad Alraghban (Damaskus) und Taisir Al Nakib (Mosul). Ella Kehrer begleitete die Arbeit im Projekt fotografisch.

Gefördert durch den Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg und das Kulturamt der Stadt Heidelberg.

Kooperationspartner:

Projektblog: wunschbilder.wordpress.com

 

(Übersetzung: “Lös es auf”)
Performance & Video, 2015
@ SIGNALWEGE. Eine Begegnung von Kunst und Wissenschaft, Rudolf-Virchow-Zentrum für experimentelle
Biomedizin Würzburg
Zusammenarbeit mit dem Musiker Young roDDie, den Tänzer_innen Lisa Kuttner & Andrea Kneis (Tanzraum
Würzburg), sowie Michael Lamprecht, Krzysztof Malicki & Alexander Pollner (Dancefloor Destruction Crew)

Eigens für die Ausstellung „SIGNALWEGE“ im Rudolf-Virchow-Zentrum für experimentelle Biomedizin Wuürzburg entwickelt, Break it Down („Lös es auf“) verwendet Tanz und Rapmusik, um komplexe wissenschaftliche und religiöse Sachverhalte zu erforschen und Zusammenhänge zu finden.

Der Songtext, in Zusammenarbeit mit dem Musiker Young roDDie (Kamerun/Mannheim) geschrieben, zitiert biomedizinische Forschung und existentielle Fragen. Die Choreografie übersetzt biomolekulare Wechselwirkungen, wie z.B. zwischen Proteinen und anderen Molekülen, die von grundlegender Bedeutung für den ganzen Organismus sind.

Die Ausstellung, von Ulrike Lorenz und Anne Vieth kuratiert, war Teil des Kunstprojekts zum Konzilsjubiläum 2015, „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ der Deutschen Bischofskonferenz.

Break it Down setzt Bilder und Gedanken um, die aus dem Arbeitsprozess vor Ort selbst hervorgehen. Das Ausgangsmaterial wurde gewonnen aus Recherche und Gesprächen (mit Wissenschaftler_innen des Rudolf-Virchow-Zentrums), aus Improvisation und Experimentieren (beim Tanzworkshop und den Proben mit Profis und Laientänzer_innen), sowie aus der Auseinandersetzung mit der pastoralen Konstitution des 2. Vatikanischen Konzils („Gaudium et Spes“ – „Freude und Hoffnung“).

Spezifische Strukturen in Proteinmolekülen (z.B. „random coils“ oder sogenannte Zufallsknäuel) sowie tatsächliche Funktionen von Proteinen in der Zelle wurden in der Performance umgesetzt, z.B. die „Motorproteine,“ die für den Transport von Substanzen innerhalb und außerhalb der Zelle verantwortlich sind.

Die Schlussszene der Performance sowie der Refrain am Ende des Lieds – „It’s a jungle in there“ – verweisen auf die zusammengedrängte Konkurrenzsituation in jeder menschlichen Zelle, das sogenannte „molecular crowding“ im Zytoplasma. Gleichzeitig ist es ein Hinweis auf die Tatsache, dass der menschliche Körper eine schier unglaubliche Komplexität aufweist – jede Zelle ist dicht und voller noch nicht ausreichend erforschter Zusammenhänge. Die Szene wurde in lebensgroße Stanzfiguren festgehalten, die auf einem Vorsprung über dem Video in der Ausstellung standen.

Wissenschaftliche Beratung: Dr. Katrin Heinze, Prof. Dr. Caroline Kisker, Dr. Sonja Lorenz und Dr. Ann Wehman. Weitere Unterstützung: Jessica Lutz, Jugendkirche Würzburg. Co-Produktion Video: SkyscreamArts

Scientific consultation: Dr. Katrin Heinze, Prof. Dr. Caroline Kisker, Dr. Sonja Lorenz und Dr. Ann Wehman. Further support: Jessica Lutz, Jugendkirche Würzburg. Co-production video: SkyscreamArts

MEHR :

Führung, Video & Installation, 2014
@ PCK-Kunst 2.0: Neue Sicht auf alte Bilder, Kunstverein Schwedt

2014 wurde ich nach Schwedt eingeladen, um mich mit den „alten Bildern“ aus dem Bestand des ehemaligen VEB Petrolchemischen Kombinates Schwedt (heute PCK Raffinerie GmbH Schwedt) auseinanderzusetzen. Der Betrieb hat zu DDR-Zeit gezielt mehrere hunderte Kunstwerke gesammelt bzw. in Auftrag gegeben und die Werke regelmäßig ausgestellt. Seit 1989 ist aber diese Kunstsammlung für ein breites Publikum unzugänglich.

Ich fragte mich, wer diese „alte Bilder“ sehen soll und darf. Mit dem Projekt Sag mir wo die Blumen sind schaffte ich einen Zugang zu dieser Kunstsammlung für die Zuschauer, die diese Kunst sonst nicht sehen würden oder sogar können. Mit Jugendlichen vor Ort habe ich ein Video und eine Führung durch ausgewählte Kunstwerke der PCK-Kunstsammlung speziell für Blinde und Sehschwache habe konzipiert und ausgeführt.

„Stell Dir vor, Du stehst vor diesem Kunstwerk und kannst es nicht sehen. Was möchtest Du darüber erfahren?“ Ausgehend von den Bildtiteln wurden zu jedem Werk Fragen gestellt. Diese beantwortete ich mit meinem jungen Team in Schwedt. Enrico Frontzek, Mirjam Bunn und Angie Winkel arbeiteten mit mir zusammen, um die ausgewählten Kunstwerke anschaulich und lebhaft zu beschreiben. Die Fragen und Beschreibungen wurden von Viola Brocker aus Schwedt für das Video gesprochen.

Aus den insgesamt 23 für die Führung ausgewählten Werken habe ich dann elf in einer Videoarbeit präsentiert, die zusammen mit Arbeitsskizzen und einer Bildbeschreibung in Blindenschrift in einer Installation im Kunstverein Schwedt ausgestellt wurde. Dort fing auch die Führung für Mitglieder des Schwedter Blinden- und Sehschwachenverbandes an, danach wurde sie auf dem PCK-Gelände fortgesetzt. Die Besucher hatten vor Ort die Möglichkeit, die Kunst über Tasten und die von den jungen Künstler_innen gesprochenen Beschreibungen kennenzulernen.

(Übersetzung: “Ich Glaube, Ich Weiß, Was Du Sagen Willst”)
Installation mit Fotografie, Video, Zeichnungen & Objekten, 2014
@ Atelier und Künstler, Kommandantenhaus Dilsberg

I Think I Know What You Want To Say ist ein Kunstwerk, das sich mit der Idee beschäftigt, etwas Ungegenständliches zum Gegenstand einer Sammlung zu machen, nämlich die menschliche Körpersprache, unsere Gesten und Gebärden. Wie kann ich eine solche imaginäre Sammlung anlegen, sie organisieren und für andere sichtbar machen? Welche „Nichtgegenstände“ nehme ich in meine Sammlung auf? Kann ich meine noch nicht existierende Sammlung zuerst ordnen, um dann nach meinem angelegten Ordnungssystem gezielt zu sammeln? Welche Rolle spielt die Sehnsucht, welche der Zufall?

In dieser Arbeit geht es auch um zwischenmenschliche Kommunikation und um den Prozess der Zusammenarbeit, um das Verstehen (bzw. Missverstehen) des Gegenübers. Wie weisen wir Gedanken und Einstellungen, auch Wünsche und Absichten, anderen Individuen zu? Verstehe ich wirklich, was Du mir sagst? Verstehe ich, was Du mir sagen WILLST?

Die in Videos und Bildern zu erlebenden Gesten wurden nach 13 von mir aufgestellten Kategorien gesammelt (die wiederum als Text-Zeichnungen selbst Teil der Installation bilden):

Ich habe mit mehr als 40 Menschen in Heidelberg und Umgebung gearbeitet, um die Sammlung zusammen zu stellen.

 

ANDERE ÜBER DIE ARBEIT
Dr. Hans-Jürgen Buderer (ehem. Direktor Kunst- und Kulturgeschichte, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim) im Ausstellungskatalog über die Arbeit:

„Hinter dem ein wenig verspielt poetischen Titel verbirgt sich eine der für Janet Grau so typischen subtil und differenziert durchdachten Aktionen, die in der Ausstellung im Kommandantenhaus auf dem Dilsberg dem Besucher in einer Medieninstallation bildnerisch gegenwärtig wird. […] Betrachtet man den Gestenkatalog, den Janet Grau entwickelt… [wird es deutlich, dass sie] die Ordnungskriterien ihrer Gestensammlung nicht aus der wissenschaftlichen Strukturierung beobachteter Gestenformen ableitet. In deutlicher Analogie zu Italo Calvino entwickelt sie einen Katalog aus der Reflexion über mögliche subjektive Bedürfnisse und Erwartungen eines imaginären Beobachters. […] Das Projekt I Think I Know What You Want to Say impliziert einen die Künstlerin immer wieder inspirierenden Grundgedanken, nämlich die Frage, ob und wie wir uns in unseren gängigen Formen der Kommunikation überhaupt verstehen.“

Kuratieren / Project & Video / Installation, 2012
Zusammenarbeit mit Elli, Kitty, Lena, Lilly, Lizzy & Wiebke
Richard-Wagner-Stätten Graupa

Im Jahr 2011 wurde ich eingeladen, eine Ausstellung für die Richard-Wagner-Stätten Graupa zu verwirklichen, die ein breites Publikum erreichen und Aufmerksamkeit auf den neuen Ausstellungsort – den Jagdschloss Graupa – lenken sollte. Ich habe mich entschieden, mich auf eine einzige Oper von Richard Wagner zu konzentrieren – nämlich die Oper „Lohengrin“, an der Wagner im Sommer 1846 in Graupa gearbeitet hat – und mit Schülerinnen aus der Gegend eine Videoarbeit zu dieser Oper für die Ausstellung zu schaffen.

Mit Szenen aus unserem Arbeitsprozess zeigt das Video Mein lieber Schwan! Ein Wechselspiel mit Richard Wagners „Lohengrin“ – auf unterhaltsame und lyrische Art und Weise – einen Annäherungsversuch. So wie die Mädchen spielerisch ihren Zugang zu Wagners Oper finden, werden die Zuschauer eingeladen, dies ebenfalls zu tun.

Bei den Proben und der Dreharbeit im Lohengrinhaus / Richard-Wagner-Stätten Graupa haben wir gemeinsam verschiedene spielerische Antworten auf die Oper entwickelt. Diese bewegten sich immer zwischen der Rezeption der Musik einerseits und der eigenen Fantasie andererseits, die durch Wagners Musik und die Geschichte vom Ritter Lohengrin geweckt wurde. Diese Aufnahmen habe ich dann für das Video verwendet, um die Geschichte dieses kreativen Prozesses zu erzählen.

Wir konzentrierten uns auf das Erscheinen des Ritters gegen Ende des ersten Aktes von Wagners Oper: Lohengrin kommt nach Brabant, um die angeklagte Jungfrau Elsa in einem Gottesgericht zu verteidigen. Die Szene ist nicht nur musikalisch und dramaturgisch sehr spannend, sondern hat schon immer eine große Faszination ausgeübt. Sie stellt auch immer eine Herausforderung für jede neue Bühnenproduktion dar, denn Lohengrin tritt nicht einfach auf die Bühne, sondern er wird, auf einem Kahn stehend, von einem Schwan herangezogen! Die Szene ist märchenhaft, rätselhaft, seltsam und wunderschön zugleich.

Das Video wurde in einem Ausstellungsmobiliar präsentiert (Bilder rechts), das gleichzeitig assoziativ Bezug auf inhaltliche Elemente der Oper nimmt und in Zusammenarbeit mit dem Architekten Roland Züger entstanden ist (www.kesselzueger.com).

MEHR über die beteiligte Institutionen: