(Übersetzung: “Ich fliege davon”)
IN ARBEIT                                                                                                                                                        
Langzeitprojekt (Fotografie, Nadelarbeit)

Endlos viele Stunden in eine Arbeit stecken. Kreuzstichstickerei als aufwändige (und absurde) Bildreproduktionstechnik.

Der Arbeitsprozess ist komplex, vielschichtig und wahnsinnig zeitintensiv—darum geht es aber. Es geht um Zeit und es geht auch darum, einen Abstand zu den Fotos durch den Arbeitsprozess zu gewinnen. Es ist auch ein Spiel mit der Wahrnehmung. Ich experimentiere mit dem Detaillierungsgrad und der Farbtreue soweit, bis jemand, der das Originalfoto kennt, die gestickte Version sofort wiedererkennen kann, aber für andere bleibt sie unkonkret.

Ich wandele ausgewählte alte Familienfotos in vereinfachte Pixelstrukturen um, reduziere die Anzahl der Farben von Millionen bis auf eine beliebige Zahl (vielleicht 27 oder 56 oder 84), passe diese den Stickgarnfarben an, arbeite systematisch mit komplexen Vorlagen. Das alles steht in starkem Kontrast zum Inhalt der Bilder, welche immer nur einen einzelnen Moment – einen Bruchteil einer Sekunde –darstellen.

Für mich sind die Stickereien eher als Objekte denn als Bilder zu verstehen. Deshalb werden sie zusammen mit den Arbeitsskizzen, Farbmustertabellen, usw. sowie mit anderen Objekten in einer Installation präsentiert (Arbeitstitel I’ll Fly Away).

Fotografie, 2011
Zusammenarbeit mit Emma B.
@ Folge der Generationen, Motorenhalle. Projektzentrum für zeitgenössische Kunst, Dresden

Inszenierte Fotografie und Texte: 6 Inkjetdrucke auf Aludibond, je 60 x 40 cm und 6 Texttafeln (Druck auf Aluminium), je 14 x 20 cm

Für die Ausstellung Folge der Generationen @ Motorenhalle. Projektzentrum für zeitgenössische Kunst in Dresden geschaffen.

Ein Spätsommernachmittag, wir haben einen Plan. Alle sind an diesem Nachmittag weg und wir haben die Bude für uns allein: die Mietwohnung in der Oberlausitz, welche die Familie schon seit fast einem halben Jahrhundert bewohnt. Voller Zeug, voller Geheimnisse, voller Versteckmöglichkeiten. Wir erkunden, wir dokumentieren, wir kichern und wir arbeiten schnell. Wir wollen diesen gemeinsamen Moment festhalten – unsere Zeit zusammen, unser Projekt, unser Spiel: „Ich sehe was, was du nicht siehst!“

Nach unserer Aktion in der Wohnung ihrer Großeltern haben Emma B. und ich mehreren Familienmitgliedern die Fotos gezeigt und sie gebeten, zu sagen, was auf dem Bild zu sehen ist. Zu Emmas Erstaunen und Freude haben ihre Verwandten meistens nicht erkannt, dass dort etwas anders als sonst ist (nämlich dass sich Emma in jedem Raum/Bild versteckt hat): Sie sehen das, was sie dort erlebt haben. Die jeweils neun verschiedenen Bemerkungen zu jedem Foto sind natürlich sehr subjektiv: voller Erinnerungen, Gefühle, Entschuldigungen, Andeutungen. Über das Sichtbare hinaus werden den Ausstellungsbesuchern so weitere Dimensionen der privaten Räume eröffnet.

Kuratieren / Projekt & Foto / Video / Installation, 2010
Kunstsammlungen Zwickau

Im Jahr 2010 wurde ich für die Konzeption, Gestaltung und Ausführung einer großen Ausstellung zu Robert Schumanns 200. Geburtstag in die Zwickauer Kunstsammlungen eingeladen. Meine Aufgabe war es, die Rezeption Robert Schumanns und seiner Musik in der bildenden Kunst vom 19. bis zum 21. Jahrhunderts zu präsentieren. Die Museumsleiterin Petra Lewey wollte mit dieser Ausstellung „einmal den Versuch wagen, sich dem Komponisten nicht nur theoretisch, also kultur- und rezeptionsgeschichtlich zu nähern, sondern mit Strategien der zeitgenössischen bildenden Kunst, um Robert Schumann und seine Musik auf ungewohnt visuell emotionaler Ebene erlebbar zu machen.“

Für Seit ich ihn gesehen – Reflexionen zu Robert Schumann in der Kunst (dokumentiert im gleichnamigen Ausstellungskatalog) habe ich ca. 250 sehr heterogene Objekte und Kunstwerke aus verschiedenen Sammlungen und Schumann-Interpretationen aus Kunst, Literatur, Film, Kunstgewerbe und Alltag in sieben Themenräumen arrangiert und mit meinen eigenen künstlerischen Gedanken und Positionen in Berührung gebracht, manchmal konfrontiert. Mir war es wichtig, die kunsthistorische Rezeptionsebene mit der ganz konkreten Präsenz Schumanns in der Gegenwart zu verbinden.

Um eine Reihe neuer Kunstwerke für die Ausstellung zu erarbeiten, habe ich mit verschiedenen Menschen (Musikwissenschaftlern, Sammlern, jungen Musikern, Musikliebhabern, Schülern und Studierenden) gearbeitet. Entstanden sind Foto- und Videoarbeiten (u.a. acht Musikvideos zu Liebesliedern von Schumann, in Zusammenarbeit mit Jugendlichen geschaffen), Rauminstallationen, ein Plakatwettbewerb („Robert!“, eine fiktive Image-Kampagne für Robert Schumann) sowie interaktive digitale Arbeiten (u.a. eine Zusammenstellung von YouTube-Videos, über ein Flash-Interface steuerbar). Einige dieser Arbeiten wurden nach der Ausstellung vom Robert-Schumann-Haus in Zwickau angekauft und dauerhaft installiert.

Ein lebendiges Begleitprogramm bot mehrere Möglichkeiten, aktiv mitzuwirken: Z.B. bei dem „Tango Schumann“-Workshop mit dem Londoner Performance-Künstler Anthony Howell und der südafrikanischen Tänzerin Lindi Köpke (Siehe Tango Schumann).

MEHR über die beteiligte Institutionen:

Installation, Fotografie, Video (Denkmal für die Schriftstellerin Irmtraud Morgner), 2008
Stadtbibliothek Chemnitz (dauerhaft installiert)

Vier inszenierte Fotografien in Leuchtkästen (je 60 x 40 cm) und ein digitales Nachschlagewerk (Bilder, Texte, Videosequenzen)

Als Denkmal für die Schriftstellerin Irmtraud Morgner in ihrer Geburststadt Chemnitz habe ich die Arbeit Irmtraud Morgner Lesen gemacht, die eine spielerische Interpretation ihrer Arbeiten und Ideen bietet, um das Publikum zu motivieren, mehr über die Autorin und ihr Werk zu entdecken.

Über einen längeren Zeitraum habe ich mit vielen Mitwirkenden gearbeitet. Gemeinsam haben wir Elemente, Szenen und Bilder aus dem literarischen Werk Irmtraud Morgners neu imaginiert, neu kombiniert und neu geschaffen. Zentrale Themen Morgners (z.B. utopische Ideale, Feminismus, die kulturpolitische Situation in der DDR) wurden durch diesen konzeptionellen Prozess aufgenommen und für die Kamera inszeniert.

Das Denkmal ist nun in der Stadtbibliothek Chemnitz zu finden, bestehend aus drei Elementen: „Lesen“, „Nachlesen“ und „Vorlesen“.

Der Bereich „Lesen“ präsentiert die Fotos und fordert die Besucher auf, sie zu „lesen“. Eine einfache, Flash-basierte Navigation führt Besucher zu weiteren Informationen, in drei Bereiche untergebracht:

Bei den Inszenierungen haben Thilo Fröbel (Kamera) und Robert Thiele (Video, Assistenz) mitgearbeitet.
Eine Ausstellungskopie von Irmtraud Morgner Lesen wurde bereits zweimal ausgestellt, zuletzt in der Ausstellung „Entdeckt! Rebellische Künstlerinnen in der DDR“, Kunsthalle Mannheim, 2011.

MEHR:

Inszenierte Fotografie (Kunstwerk im öffentlichen Raum), 2006
@ Oschatz 51,3° / 13,1°, das Kunstprojekt der 4. Sächsischen Landesgartenschau, Oschatz

4-teilig, jeweils 2 Fotografien an 2 Standorten, je 100 x 80 cm; kaschiert auf 12 mm ESG-Glasscheiben (120 x 180 cm), mit Edelstahlhalterung auf Betonfundament

Gemeinsam mit 78 Bewohnern von Oschatz und Umgebung habe ich im Herbst 2005 vier inszenierte Fotografien erarbeitet. In den Bildern manifestieren sich die in meinen Recherchen vor Ort gewonnenen Erkenntnisse darüber, wie „die Natur“ in der Stadt und in der unmittelbaren Gegend wahrgenommen, genutzt und gepflegt wird – ein Bereich, wo verschiedene Projektionen konkurrieren und wo sich Interessen kreuzen.

Auf dem Areal der Landesgartenschau Oschatz 2006 wurden diese großformatigen Bilder im Freien – d.h. mitten in der gestalteten Natur – präsentiert, sind über die Landesgartenschau hinaus aber als Kunstwerk im öffentlichen Raum Oschatz geblieben. Als Ergebnis des Projekts kommen nicht nur die Bilder als Gegenstände im Raum in Betracht, sondern auch immaterielle Produkte, wie der soziale Prozess ihrer Entstehung, der Gesprächszusammenhang, das interaktive Moment und das Fortwirken der Auseinandersetzung.

Die sehr offensichtliche „Hyper-Inszenierung“ (Christina Töpfer) und die dicht arrangierten Szenen sollten nicht (nur) humorvolle Effekte hervorbringen, sondern deuten auch auf Auseinandersetzungen und Spannungen vor Ort. So enthalten die Fotos auch viele Details und Andeutungen, welche nur die Ortsansässigen verstehen können. Zum Beispiel sind die Menschen, die in jeder Inszenierung direkt in die Kamera schauen und ein mit zustimmender Botschaft bedrucktes T-Shirt tragen („Das finde ich ganz sinnvoll“, „Ich habe Freude daran“, „Damit habe ich kein Problem“, „Ich bin zufrieden“) eine Anspielung auf Geschehnisse in Oschatz, von denen mir erzählt wurde.

Die vier inszenierten Fotografien wurden im Stadtpark Oschatz und auf zwei landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Umgebung von Oschatz aufgenommen. . Es haben Thilo Fröbel (Kamera) und Robert Thiele (Video, Assistenz) mitgearbeitet, mit denen ich bereits 2004 für Pflege: Zwischen Zwangshandlung und kultureller Heldentat gearbeitet hatte.

Installation (Fotografie, Video, Ton, Texte & Objekte), 2006
@ Depot der Gegenwart, Stadtmuseum Dresden

public attic / ausgestellter speicher ist eine Arbeit über das Sammeln, Aufbewahren und Entsorgen, die Ausgelagertes wieder sichtbar macht und Erzählungen sich entfalten lässt.

Für diese Arbeit habe ich 34 Personen besucht, die bereit waren, mir Objekte aus ihren gelagerten Beständen zu zeigen. Wir unterhielten uns über diese Gegenstände und sie erzählten mir, warum sie die Sachen auf dem Dachboden aufbewahren. Ich habe verschiedene Medien genutzt (z.B. Fotografien, Video- und Tonaufnahmen), um diese Gegenstände zu ’sammeln‘ und den ‚ausgestellten Speicher‘ zu konstruieren. Die Rauminstallation evozierte den Charakter eines Dachbodens und die Besucher durften auch tatsächlich darin stöbern.


Der ‚ausgestellte Speicher‘ war ab der Eröffnung der neuen ständigen Ausstellung des Stadtmuseum Dresden für sechs Monate im Depot der Gegenwart zu Gast.

An den Außenwänden dieses Ausstellungsraums waren die Befragungsbögen zu sehen, welche bei jedem Dachbodenbesuch ausgefüllt worden waren. Darauf beantworteten die Dachbodenbesitzer bzw. –benutzer meine Fragen zu den Objekten, die sie mir zeigten. Verschiedene Gründe zum ankreuzen (z.B. Erinnerung / Überraschung, narratives Potential, Investition, Zusammenhang mit einem starken Gefühl, Platzerwägungen, Pflichtgefühl usw.) sollten helfen, die Frage zu beantworten: „Warum wurde der Gegenstand ausgelagert?“ (siehe einen der 34 Fragebögen).

In der Rauminstallation befanden sich viele Kisten und Koffer, welche Objekte beherbergten, die ich von einigen Dachbodenbesitzern mitgenommen hatte und dem Publikum zugänglich machen durfte. Die Fotos wurden direkt auf die mit MDF-Platten verkleideten Wände bzw. auf die Kartons angebracht, das Videomaterial auf zwei Monitoren (mit Kopfhörern) präsentiert. Neben einem Sessel in der Ecke war eine Tonaufnahme zu hören – eine Auflistung aller Gegenstände, die ich für den Dachboden ‚gesammelt‘ hatte, in den Worten deren Besitzer ausgedrückt (Sprecherin: Kerstin Katrin Birn).

Ab und zu im Laufe der Ausstellung wurden neu gesammelte Objekte sowie neue Erzählungen ‚auf den Dachboden‘ gebracht. Der Katalog (48 Seiten, Deutsch und Englisch) für public attic / ausgestellter speicher beinhaltet persönliche sowie kritische Texte zum Thema, wie auch Bilder und Erzählungen.

MEHR über die beteiligte Institutionen:

LESEN Texte aus dem Ausstellungskatalog:

Inszenierte Fotografie, Video, Performance und Installation, 2004
Motorenhalle. Projektzentrum für zeitgenössische Kunst, Dresden

Die Inspiration für die Arbeit Pflege: Zwischen Zwangshandlung und kultureller Heldentat lieferte das Jahrhunderthochwasser in Dresden (August 2002). Als die Depots der Dresdner Museen bedroht waren und schließlich auch geflutet wurden, trugen Kuratoren und unermüdliche Helfer Sachsens Schätze hoch in die Ausstellungsräume. Den unvergesslichen Bildern des heroischen Einsatzes, die in den Medien kursierten, folgten unzählige Abbildungen von Menschen bei der Pflege von „kulturellem Erbe“ sowie von anderen (auch banaleren) Gegenständen. Mich interessierte vor allem die Inszenierung dieser ‚pflegerischen Handlungen‘ für die Kamera: der Blick, die Gesten, die Haltung.

Ich fertigte eine umfangreiche Sammlung solcher Fotos aus der Zeitung an (die den Grundstein für diese Arbeit legte) und konzipierte, zusammen mit sechs jungen Studentinnen der Kunsthochschule in Dresden (HfbK), eine Reihe von Inszenierungen zum Thema. Die entstandenen Fotografien und das „making of“-Videomaterial wurden mit weiteren Bildmaterialien, Objekten und Film/Videoarbeiten in eine knapp 500 m² große Installation zusammengeführt.

Während der zehntägigen Ausstellung haben wir den Raum kontinuierlich verändert bzw. weiter definiert durch unsere tägliche ‚pflegerischen Maßnahmen‘ (Performances). Die Möglichkeit einer aktiven Teilnahme wurde von vielen Besuchern wahrgenommen.

Die verschiedenen Elemente dieser Ausstellung kommentierten sich wechselseitig bzw. ließen sich assoziativ aufeinander beziehen. Spurbar wurde dabei immer wieder der Zusammenhang von „Pflege“ und einer performativen Vorführung von Identität, wie auch die Obsessivität solcher Beschäftigungen.

Bei den Inszenierungen haben Thilo Fröbel (Kamera) und Robert Thiele (Video, Assistenz) mitgearbeitet.

LESEN Texte zu dieser Arbeit:

MEHR über die am Projekt Beteiligten: