The Mattering Instinct

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Performance

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Das Tanztheaterstück, The Mattering Instinct (Arbeitstitel), bringt Tanz, Philosophie und Gesellschaftskritik zusammen in ein ungewöhnliches Format, das zum Teil von einem Wettbewerb inspiriert ist. Der “Dance Your PhD”-Wettbewerb (“Tanz Deine Doktorarbeit”), den es seit mehr als zehn Jahren gibt, fordert junge Wissenschaftler heraus, ihre komplexen Forschungsprojekte einem Publikum vorzustellen und zu versuchen, diese möglichst unterhaltsam und kurzweilig darzustellen.

Diese Kombination aus Ernsthaftigkeit und spielerischer Leichtigkeit ist wichtig für das Stück, denn The Mattering Instinct bringt eine Theorie der US-amerikanischen Philosophin Rebecca Newberger Goldstein auf die Bühne. Das Stück entfaltet Goldsteins inspirierende “mattering theory” sowohl sprachlich als auch tänzerisch und erprobt den Mehrwert dieser Kombination für die philosophische Argumentation einerseits, für den tänzerischen Ausdruck andererseits.

Goldstein glaubt, dass wir mit einem “mattering instinct” versehen sind (etwa einem “Bedeutsamkeitsinstink”) und dass viele moralische Fragen bei besonderer Berücksichtigung dieses “mattering” beantwortet werden können. Das schwer zu übersetzende Wort “mattering” bündelt verschiedene Aspekte, die im Deutschen nicht in einem Wort prägnant zusammengefasst werden können: den Aspekt der Erfahrung von Selbstwirksamkeit mit jenem der Anerkennung durch andere sowie die Sinnzuschreibung an das eigene Handeln.

Die Performance strebt eine wechselseitige Erläuterung, Kommentierung und Vermittlung von Goldsteins philosophischen Argumenten an, konfrontiert aber die philosophischen Ideen mit der Eigengesetzlichkeit tänzerischer Semantik.

Sobald wir wissen, dass wir sind, wollen wir, dass das, was wir sind, etwas bedeutet, dass wir von Bedeutung sind, dass wir “Bedeutsamkeit” besitzen. Diese “Bedeutsamkeit” ist für Menschen wesentlich:

“Wir können kein Eigenleben führen, ohne zu glauben, dass unser Leben von Bedeutung ist … klinische Depression ist der Zustand, wenn man überzeugt ist, dass das eigene Leben nicht von Bedeutung ist und dass es nie von Bedeutung sein wird. Das ist eine pathologische Haltung und es hebt durch diese Pathologie die Funktion hervor, die der ‘Bedeutsamkeitsinstinkt’ normalerweise hat. Denn um eine vollständig lebenstüchtige, nicht deprimierte Person zu sein, muss man leben und handeln als hätte man selbstverständlich ein Eigenleben zu führen, als ob man im eigenen Namen handeln darf, dass man seine eigenen Ziele verfolgen kann und darf. Und dass wir das Recht besitzen, in Übereinstimmung mit unserem Bekenntnis, dass wir von Bedeutung sind, dass wir Bedeutsamkeit besitzen.” (Auszug aus dem Interview, The Mattering Instinct: A Conversation with Rebecca Newberger Goldstein der Edge Foundation, 2016, übersetzt von Janet Grau)